Archive for Januar, 2013

20. Januar 2013

Lassen wir uns von unserer Sprachbegabung aufs Glatteis führen?

Ich habe mir ja bekanntlich unter anderem vorgenommen, zu zeigen, wo man im ganz normalen Alltag über philosophische Grundfragen stolpern kann. Da ich dieses Blog aus meiner Perspektive schreibe, heißt das: ich möchte auch mit euch teilen, wo ich in meinem Alltag über philosophische Grundfragen stolpere (oder noch besser: in sie hinein).

Stolpern und fallen sind auch zwei gute Stichworte, um in die Geschichte hinein zu finden, die ich heute mit euch teilen möchte: hier bei uns ist es nämlich glatt, und zwar so richtig. Als ich also heute nach einem gemütlichen Uni-Sonntag nach Hause fahren wollte, habe ich mich in einer Stadt wiedergefunden, die zwischendurch zu einer einzigen Eisbahn geworden war. Dementsprechend musste ich nun also sorgfältig und hochkonzentriert einen Fuß vor den andern setzen. Dabei musste ich an etwas denken, was hoffentlich noch niemand von euch erleben musste: ein Pferd, das versehentlich auf eine gefrorene Fläche geführt wird. Ich habe das vor einigen Jahren erlebt und musste nun auf meinem Heimweg an diese skurrile, aber auch sehr erschreckende Situation zurückdenken – an den Moment, als die Stute erkannt hat, dass sie sich nicht sicher bewegen konnte. An die Panik, die ihr in ihren hektischen Bewegungen anzusehen war. An die Angst, die sie schnell vorsichtig werden ließ, so dass sie sich plötzlich gar nicht mehr bewegte, nur um nicht zu stürzen. Und an den Verlust des Vertrauens in den Menschen, der versuchte, sie wieder auf eine nicht vereiste Fläche zurückzuführen. Und dann konnte ich in meinem Kopf einen Einwand fast schon hören, der vielen von euch jetzt sicherlich auf der Zunge liegt: „Vermenschlichst du das Pferd jetzt nicht etwas?“

Eigentlich könnte ich den Artikel jetzt mit der Frage schließen, was die Menschen denn von den Tieren unterscheidet. Doch ich möchte noch ein paar Worte zu einer Antwort verlieren, die hierzu oft vorgeschlagen wird. Man sagt oft, der Mensch unterscheide sich durch die Sprache vom Tier (ich verwende hier absichtlich, wenn auch nicht unkritisch, die allgemeine Form „das“ Tier). Man kann sich hier nun vieles fragen, zum Beispiel ob Tiere wirklich keine Sprache haben. Etwas interessanter wird es meiner Meinung nach, wenn man auch manchen Tieren ein Sprachvermögen zugesteht, sich dann aber fragt, ob deren Sprachen sich wesentlich von unserer unterscheiden. Heute hat mich allerdings ein anderer Gedanke am meisten fasziniert: nehmen wir an, Menschen sprechen und Tiere nicht oder nur anders. Dann wäre immer noch nicht bewiesen, sich dadurch ein grundsätzlicher Unterschied begründen lässt, der uns erlaubt, Mensch von Tier zu unterscheiden. Damit der Mensch nicht bloß das sprechende Tier wäre, müsste der Sprache noch eine wichtigere Rolle zukommen, als einfach nur die Tatsache, dass nur wir zufällig über sie verfügen. Sonst könnte man schließlich auch Tier und Giraffe unterscheiden, indem man das Kriterium der Sprache durch den langen Hals ersetzt.  Deshalb die Frage: Ist Sprache wirklich das, was uns ausmacht? Oder wird dieses etwas, wenn es denn existiert, nur durch sie ausgedrückt?

PS: Falls die Antwort ja lautet, bin ich übrigens offen für die Interpretation, dass Sprache nicht nur uns, sondern auch andere Tierarten, die über eine nicht-menschliche Sprache verfügen, zu einem gewissen Grad ausmacht.

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16. Januar 2013

Zur Ehrenrettung des Ist-Zustandes

In meinem letzten Artikel – an dieser Stelle erst mal noch ein verspätetes frohes neues Jahr an alle – hatte ich mich mit dem naturalistischen Fehlschluss befasst und habe auch durchscheinen lassen, dass ich selbst kein großer Verfechter einer „es ist, also soll es auch“-Argumentationsweise bin. Trotzdem möchte ich fairerweise zugeben, dass ich es einer solchen Argumentationsweise durch die Wahl meines Beispiels natürlich auch noch ein wenig schwerer gemacht habe. Ich habe lange überlegt, ob das Muster dieses (Fehl-)Schlusses im Alltag auch in Argumenten auftaucht, die nicht bereits auf den ersten Blick als Stammtischargumente abgestempelt werden können.

Dann ist mir aufgefallen, dass ich selbst im Bereich der Wirtschaft manchmal dazu neige, zu sagen:

„Der Mensch ist ja nicht für die Wirtschaft da, sondern die Wirtschaft für den Menschen.“

Dieser Satz ist ist mir tatsächlich plausibel und ich würde ihn nicht auf den ersten Blick mit plumpen Beispielen des naturalistischen Fehlschlusses gleichsetzen. Trotzdem scheint das Muster hier ähnlich zu funktionieren. Im ersten Satzteil verweisen wir auf die Absicht, mit der ein Wirtschaftssystem geschaffen wurde und damit auf gesellschaftliche Erwartungen, die wir an es stellen. Im zweiten Teil schließen wir dann, dass diese Erwartungen der Menschen an die Wirtschaft nun bitte auch erfüllt werden sollen. Wo in anderen Argumenten vielleicht der göttliche Plan ins Spiel kommt, bürgen hier die menschlichen Absichten beim Errichten einer Wirtschaftsordnung dafür, dass das Sein schon einen Sinn hat und deshalb auch sein soll.

Natürlich ist dieses Beispiel streng genommen kein naturalistisches. Aber es scheint mir ein Beispiel dafür zu sein, dass Schlüsse vom Sein aufs Sollen eben manchmal doch gut verpackt daherkommen und gar nicht unbedingt problematisch erscheinen.

Was meint ihr: kann man dieses Beispiel als ein Beispiel für den Sein-Sollen-Schluss verwenden, das auf den ersten Blick plausibel aussieht?

PS: Ich halte den Schluss, sowohl allgemein als auch in diesem Beispiel, übrigens immer noch für ungültig.

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