Posts tagged ‘Homophobie’

20. Dezember 2013

Fremde Schlafzimmer

Heute kann ich aus gegebenem Anlass einmal keinen ausgewogen Beitrag schreiben, denn ich bin sauer. Die neuesten Streiche der russischen Regierung scheinen die deutschen Medien (völlig zu Recht) auf die Verfolgung und Diskriminierung von Homosexuellen aufmerksam gemacht zu haben und so bekommen wir in letzter Zeit öfter mal Artikel wie diesen zu lesen. Wobei anzumerken ist, dass derartige Probleme auch dann bestehen, wenn die deutschen Medien gerade ein anderes Lieblingsthema haben. Ich schätze es sehr, dass diesem Thema zur Zeit diese mediale Aufmerksamkeit zu Teil wird. Das Problem ist nur: ich verliere regelmäßig den Glauben an die Menschheit. Ich frage mich: Was für ein Bild von Staat muss man haben, um in fremde Schlafzimmer hinein regieren zu wollen? Was für ein Menschenbild muss man haben, um eine beidseitige Liebesbeziehung zwischen zwei Menschen als Werk des Teufels zu bezeichnen? Was für ein Gottesbild muss man haben, wenn der Teufel für die Liebe zuständig ist? Was für ein Bild von Liebe muss man haben, um sie nach dem zu beurteilen, was hinter Schlafzimmertüren vor sich geht? Was für ein Selbstbild muss man haben, um Individualität und Identität anderer Menschen so mit Füßen zu treten?

Wir Menschen möchten gerne glauben, dass wir unter den Tieren etwas Besonderes sind. Und wir möchten stolz darauf sein. Auf Kultur, Sprache, Liebe, Reflektionsvermögen und viele andere Dinge, die uns ausmachen. Aber wenn wir andere Menschen dafür hassen, wen sie lieben, sind wir dann nicht bloß das dümmste Tier von allen?

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2. April 2013

Was in Talkshows mal gesagt werden sollte

Ihr müsst mir glauben, ich versuche wirklich, das Thema Religion zur Zeit zu umgehen, besonders auch weil gerade Ostern war. Erstens hat für viele Menschen gerade ein wichtiges Fest stattgefunden und das möchte ich respektieren – auch, indem ich auf Nörgeleien verzichte. Zweitens hat für viele andere Menschen gerade kein wichtiges Fest stattgefunden -Ostern war aber trotzdem allgegenwärtig. Deshalb hatte ich mir eigentlich vorgenommen, jetzt mal ein paar Geschichten aus dem Alltag aufzugreifen, die keinen Religionsbezug aufweisen. Das  ist aber gar nicht so leicht.

Ihr wisst ja, dass ich im Moment für das Thema Sexismus ohnehin schon sensibilisiert bin. Da muss man dann nur noch über einen Erfahrungsbericht zum Thema Homosexualität stolpern, und schon ist man eben doch wieder ganz nah dran am Thema Religion. Aber ich möchte hier gar nicht mehr konkreter werden – wir wissen alle, dass es in jeder Religionsgemeinschaft sowohl fundamentalistische (und damit meistens sexistische und homophobe), wie auch tolerante Strömungen gibt. Statt nun wertvolle Energie damit zu verschwenden, mich über die erste Sorte aufzuregen, möchte ich darauf hinweisen, dass gerade sehr konservative religiöse Strömungen uns auf ein sehr interessantes philosophisches Problem stoßen.

Nehmen wir einfach mal an, wir würden einer solchen sehr konservativen religiösen Strömung irgendeiner Richtung glauben schenken. Stellen wir uns vor, wir glaubten daran, dass Gott bestimmte Posten für Männer reserviert hat oder dass Gott es als Beleidigung empfindet, wenn wir mit den „falschen“ Menschen ins Bett gehen. Ich kann mir problemlos einen alten Mann mit Rauschebart vorstellen, der solche Regeln aufstellt. Eines kann ich aber nicht: das Gefühl loswerden, dass diese Regeln ungerecht sind. Und damit sind wir doch schon bei einer spannenden Frage: Kann es einen ungerechten Gott geben?

Natürlich hat diese Frage in der Geschichte der Philosophie einen ebenso langen Bart wie der klischeehafte Gott, den ich mir oben vorgestellt habe. Man findet diese oder ähnliche Fragen (oft mit der Bezeichnung Eutyphron-Dilemma(ta)) von Plato über das Mittelalter bis zum heutigen Tag. Die Grundidee ist, dass wir zwei Argumentationsmuster gegenüberstellen können. Entweder das Gute/Gerechte/was auch immer ist nur deshalb gut/gerecht/was auch immer, weil es Gottes Wille entspricht. Dann ist es aber kein Wert an sich. Oder das Gute/Gerechte/Was auch immer ist von selbst gut und gerecht und Gott hat bestenfalls die Weisheit, es als solches zu erkennen.

Die letzte Argumentationsrichtung ist meiner Meinung nach das, was diese Frage besonders heute und nicht nur für religiöse Menschen so interessant macht. Religiösem Fundamentalismus wird nämlich sehr oft auf Augenhöhe begegnet, indem man sich auf die „Gott hat gesagt“-Argumentationsweise einlässt und nur zu zeigen versucht, wie Gott etwas gemeint haben könnte (meistens anders…). Viel Spannender wäre es aber doch, wenn man sagen könnte: „Na und? Wenn er das wirklich gesagt hat, ist er halt unmoralisch und auf so jemanden höre ich nicht“. Das wäre doch mal eine Gesprächsdimension, die die immer gleiche Jauch-Kirchen-Debatte am Sonntagabend etwas aufmischen würde.

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