Posts tagged ‘Sexismus’

2. April 2013

Was in Talkshows mal gesagt werden sollte

Ihr müsst mir glauben, ich versuche wirklich, das Thema Religion zur Zeit zu umgehen, besonders auch weil gerade Ostern war. Erstens hat für viele Menschen gerade ein wichtiges Fest stattgefunden und das möchte ich respektieren – auch, indem ich auf Nörgeleien verzichte. Zweitens hat für viele andere Menschen gerade kein wichtiges Fest stattgefunden -Ostern war aber trotzdem allgegenwärtig. Deshalb hatte ich mir eigentlich vorgenommen, jetzt mal ein paar Geschichten aus dem Alltag aufzugreifen, die keinen Religionsbezug aufweisen. Das  ist aber gar nicht so leicht.

Ihr wisst ja, dass ich im Moment für das Thema Sexismus ohnehin schon sensibilisiert bin. Da muss man dann nur noch über einen Erfahrungsbericht zum Thema Homosexualität stolpern, und schon ist man eben doch wieder ganz nah dran am Thema Religion. Aber ich möchte hier gar nicht mehr konkreter werden – wir wissen alle, dass es in jeder Religionsgemeinschaft sowohl fundamentalistische (und damit meistens sexistische und homophobe), wie auch tolerante Strömungen gibt. Statt nun wertvolle Energie damit zu verschwenden, mich über die erste Sorte aufzuregen, möchte ich darauf hinweisen, dass gerade sehr konservative religiöse Strömungen uns auf ein sehr interessantes philosophisches Problem stoßen.

Nehmen wir einfach mal an, wir würden einer solchen sehr konservativen religiösen Strömung irgendeiner Richtung glauben schenken. Stellen wir uns vor, wir glaubten daran, dass Gott bestimmte Posten für Männer reserviert hat oder dass Gott es als Beleidigung empfindet, wenn wir mit den „falschen“ Menschen ins Bett gehen. Ich kann mir problemlos einen alten Mann mit Rauschebart vorstellen, der solche Regeln aufstellt. Eines kann ich aber nicht: das Gefühl loswerden, dass diese Regeln ungerecht sind. Und damit sind wir doch schon bei einer spannenden Frage: Kann es einen ungerechten Gott geben?

Natürlich hat diese Frage in der Geschichte der Philosophie einen ebenso langen Bart wie der klischeehafte Gott, den ich mir oben vorgestellt habe. Man findet diese oder ähnliche Fragen (oft mit der Bezeichnung Eutyphron-Dilemma(ta)) von Plato über das Mittelalter bis zum heutigen Tag. Die Grundidee ist, dass wir zwei Argumentationsmuster gegenüberstellen können. Entweder das Gute/Gerechte/was auch immer ist nur deshalb gut/gerecht/was auch immer, weil es Gottes Wille entspricht. Dann ist es aber kein Wert an sich. Oder das Gute/Gerechte/Was auch immer ist von selbst gut und gerecht und Gott hat bestenfalls die Weisheit, es als solches zu erkennen.

Die letzte Argumentationsrichtung ist meiner Meinung nach das, was diese Frage besonders heute und nicht nur für religiöse Menschen so interessant macht. Religiösem Fundamentalismus wird nämlich sehr oft auf Augenhöhe begegnet, indem man sich auf die „Gott hat gesagt“-Argumentationsweise einlässt und nur zu zeigen versucht, wie Gott etwas gemeint haben könnte (meistens anders…). Viel Spannender wäre es aber doch, wenn man sagen könnte: „Na und? Wenn er das wirklich gesagt hat, ist er halt unmoralisch und auf so jemanden höre ich nicht“. Das wäre doch mal eine Gesprächsdimension, die die immer gleiche Jauch-Kirchen-Debatte am Sonntagabend etwas aufmischen würde.

29. März 2013

Da kommt besinnliche Stimmung auf… – und eine neue Kategorie entsteht

Ich würde mich nicht unbedingt als Anhänger religiöser Feiertage bezeichnen und tue mir deshalb an solchen Tagen mit der besinnlichen Stimmung, wie man sicherlich merkt, etwas schwer. Heute wurde es mir allerdings noch schwerer gemacht, als ich auf der Seite der Tagesschau folgendes Zitat bewundern durfte:

Der Papst bleibt weiterhin unprätentiös: Bei der traditionellen Fußwaschung wählte Franziskus nicht wie üblich Priester oder Kirchenmitglieder aus, sondern Insassen eines Jugendgefängnisses – darunter auch Muslime und Mädchen.

Diese „Nachricht“, die ja eigentlich eine gute Nachricht ist, hat mich ehrlich gesagt sehr geärgert. Dass religiöse Toleranz hier eine Nachricht wert sein soll, das lasse ich mir ja noch gefallen. Aber dass wir im 21. Jahrhundert ohne kritischen Unterton einem Ritual zuschauen, bei dem es erwähnenswert (und scheinbar auf besondere Weise „unprätentiös“) ist, dass es auch Mädchen (!!!) zuteil wird, finde ich irgendwie ärgerlich, auch wenn es mich in diesem Kontext natürlich nicht wundert.  Auf den Punkt bringen kann ich meine Gefühle hier am Besten mit einem Zitat von Simone de Beauvoir, die in der Einleitung zu Das andere Geschlecht schreibt:

Das Thema ist ärgerlich, besonders für die Frauen; außerdem ist es nicht neu.

Aus diesem Anlass habe ich nun beschlossen, dieses Buch, wenn ich es schon aus dem Regal gezogen habe, um das Zitat nachzuschlagen, auch gleich zu lesen- es staubt da nämlich schon eine Weile gemeinsam mit einigen anderen Klassikern zu. Und weil mir die Idee gefällt, derartige kleine „Projekte“ mit euch zu teilen und vielleicht auch zu diskutieren, habe ich beschlossen, meinen Blog um die gleichnamige Kategorie zu erweitern. Ich werde euch also hin und wieder mal auf dem Laufenden halten, was ich gerade so lese und was ich davon halte und ich würde mich sehr freuen, wenn ihr eure Gedanken, Fragen und Meinungen zu den entsprechenden Werken und zu meinen kleinen Zwischenberichten mit mir teilen würdet!

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